Warum eine deutschsprachige Webseite?

 

 

 

 

Tobias Wolff

Auf den Spuren meiner Wurzeln

Schon lange trug ich den Gedanken in mir, mehr über Mórágy (deutsch: Maratz), den Heimatort meines Großvaters, zu erfahren. Obwohl ich selbst oft in Ungarn war und eine Weile in der Puszta auf einer Tanya gelebt hatte, blieb dieser Ort für mich ein Rätsel. Mein Großvater hatte nur wenig über seine Herkunft erzählt, und so wusste ich kaum etwas über Maratz. Ungarn zog mich immer wieder magisch an: Das Land gefiel mir, und Budapest war seit Jahren meine Lieblingsgroßstadt, obwohl ich eigentlich kein Stadtmensch bin. Doch das Leben in der Puszta konnte mich nicht überzeugen – die Hitze, die Mücken, und die endlosen Felder machten es mir schwer, mich dort wohlzufühlen. Trotzdem hatte ich es nie geschafft, nach Maratz zu fahren. Irgendetwas kam immer dazwischen – sei es ein anderes Reiseziel oder die schwierige Verkehrsanbindung von der Puszta nach Maratz.

Doch im Sommer 2023 entschloss ich mich endlich dazu, diesen Ort meiner Ahnen näher kennenzulernen…

 

Wie alles begann

Der Geburtsort meines Großvaters – Mórágy – war mir lange nur ein Name für mich.  Aus Deutschland heraus wollte ich irgendwann mehr über „dieses“ Dorf erfahren. Ich sah mir Satellitenbilder auf Google Maps an, suchte nach Einkaufsmöglichkeiten, nach Fotos und ersten Eindrücken. Dabei stieß ich, bei der Google Suche, auf die Seite des Heimat- und Kulturvereins Ostertal. Erst dort erfuhr ich von der spannenden Auswanderungsgeschichte meiner Ahnen – aus dem Ostertal nach Ungarn im Jahr 1724.

Die ersten Recherchen

Die Geschichte meiner Vorfahren faszinierte mich zunehmend. Bei meiner Suche nach Informationen über Mórágy – den Geburtsort meines Großvaters – stieß ich auf die Website des Heimat- und Kulturvereins Ostertal. Dort wurde unter anderem auch Harry Weber, ein engagiertes Vereinsmitglied, erwähnt, der seit Jahren Ahnenforschung zu den Familien betrieb, die aus Maratz stammten.

Ich versuchte, mit ihm in Kontakt zu treten, doch aufgrund gesundheitlicher Probleme war er nur schwer erreichbar. Nachdem auch nach zwei Wochen keine Rückmeldung kam, wandte ich mich direkt an den Verein und rief den Vorsitzenden Hans Kirsch an. Er klärte mich über Harry Webers Situation auf, gab mir aber zugleich einen wertvollen Kontakt zu einem anderen Vereinsmitglied, dessen Ahnen ebenfalls die „Maratzer“ Geschichte teilten.

Nach anfänglicher Skepsis am anderen Ende des Telefons – man verstand wohl nicht gleich, wer ich war und was ich wollte – taute das Gespräch auf, und mir wurde bereitwillig geholfen. Ich erhielt telefonisch einige Namen und wenig später per Post weit mehr, als ich jemals erwartet hätte: Dutzende Seiten über meine Familiengeschichte aus Maratz, zurückverfolgbar bis zu den Ursiedlern, die sich 1724 aus dem Ostertal auf den Weg gemacht hatten, um in Südungarn ein neues Leben zu beginnen.

 

Die Entdeckung der Familiengeschichte

 In den folgenden Wochen trug ich diese Informationen in meinen bereits bestehenden Stammbaum ein und erweiterte diesen nun auch mütterlicherseits. Mein Interesse war geweckt, und im Frühjahr 2024 begann ich auch, die Reise meiner Vorfahren nach Ungarn nachzuvollziehen. Im Sommer 2024 trat ich dann dem Heimat- und Kulturverein Ostertal offiziell bei. Kurz nach dem Absenden meines Antrags erhielt ich einen Anruf von Hans Kirsch, dem ersten Vorsitzenden, der sich nicht sofort an mich erinnerte. Nachdem ich ihm erklärte, wer ich war und dass wir bereits im Vorjahr telefoniert hatten, hieß er mich herzlich im Verein willkommen. Er erzählte mir auch, dass Harry Weber leider verstorben sei. Ich teilte ihm mit, dass ich fest plante, im August nach Maratz zu reisen, woraufhin er mich informierte, dass der Bürgermeister von Maratz Deutsch spreche – ein weiteres ermutigendes Zeichen für mein Vorhaben.

 

Ankunft in Maratz / Mórágy  

Angekommen in Maratz parkte ich am Ortsende, in der Nähe des Granitsteinbruchs, unter einem Baum im Schatten und fühlte mich sofort heimisch. Ruhe, Schatten, ein laues Lüftchen – und keine gehassten Mücken. Ich atmete entspannt durch und machte einen kleinen Spaziergang durch das beschauliche und gepflegte Örtchen. Der erste Eindruck war gut. Leider hatte mein Auto ein Problem, sodass ich parallel zur meiner kleinen Erkundungstour, nach einer Werkstatt Ausschau hielt und meine Erkundung ein paar Tage unterbrechen musste.

 

Zurück in Maratz

 Als ich mit repariertem Auto einige Tage später nach Maratz zurückkehrte, suchte ich den Bürgermeister im Rathaus auf. Skeptisch, ob er überhaupt Zeit für mich hatte, betrat ich das Foyer. Die ungarische Empfangsdame verstand schnell, was ich wollte, und ließ mich direkt durch. Als der Bürgermeister, Heinrich Glöckner, hörte, dass ich von der Familie Link aus Maratz abstamme, hieß er mich mit offenen Armen willkommen. Ich bekam eine persönliche Stadtrundfahrt und ein Buch über die Geschichte Maratz geschenkt. Er nahm sich über die nächsten Tage immer wieder Zeit für längere Gespräche über die Geschichte, die Ahnen und das aktuelle Dorfleben sowie über allgemeine Politik in Ungarn.

 

Das Archiv  

 Bei einem unserer Treffen sprachen wir über die Bücher von Peter Glöckner und wollten klären, welche schriftlichen Dokumente es sonst noch gibt. Gemeinsam riefen wir Hans Kirsch an und erfuhren, dass es mehrere Bücher und eine große Karte von Maratz gibt, auf der die damaligen Familien eingetragen sind. Heinrich und ich gingen in ein Nebengebäude, das normalerweise nicht genutzt wird, und dort entdeckten wir einen großen Schrank mit Kopien der erwähnten Bücher. Auch die 3 x 4 Meter große Karte von Maratz war dort. Sie zeigte, wo welche Familien damals gelebt hatten. Mir offenbarte sich eine immense Flut an Informationen, und allmählich wurde mir klar, welche Arbeit in den 90er Jahren von Harry Weber, Peter Glöckner und Hans Kirsch geleistet worden war. Doch mir fiel auch auf, dass die Informationslage unklar war und vieles drohte, verloren zu gehen, wenn sich kein jüngeres Interesse an diesem Themenkomplex entwickelt. Die Karte war bereits leicht ausgeblichen und dadurch schwer lesbar, und ich fragte mich, ob es Kopien der Bücher gibt, ob die Karte digitalisiert wurde und was mit den Videokassetten im Schrank passiert ist.

 

Die Entstehung der Homepage

Es wurde mir bewusst, dass die gesamte Sammlung an Informationen digitalisiert werden müsste, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Der Bürgermeister meinte, dass all dies auch einmal auf Ungarisch zugänglich gemacht werden müsste, da es heute nicht mehr so viele Deutschsprachige im Dorf gibt wie früher. Mein vorrangiges Ziel ist es, das Interesse deutschsprachiger Nachkommen zu wecken und sicherzustellen, dass mehr Menschen aus Deutschland ihren Weg zurück nach Maratz, zu ihren Wurzeln, finden. Auf der Homepage sollen sie nicht nur Informationen über die Geschichte finden, sondern auch nützliche Hinweise zum aktuellen Dorfleben, wie Übernachtungsmöglichkeiten und Einkaufsmöglichkeiten.

 


Danksagung

Herzlichen Dank an den Heimat- und Kulturverein Ostertal e.V., ohne den mein Interesse an der Geschichte der Ursiedler von 1724 nicht hätte entstehen können, und an den 1. Vorsitzenden Herrn Kirsch für die Beantwortung all meiner Fragen und die wertvolle Kontaktvermittlung. Ein besonderer Dank gilt auch dem leider verstorbenen Harry Weber, ohne dessen Ahnenforschung in Mórágy ich keinen Ansatzpunkt gehabt hätte.

www.heimatverein-ostertal.de

Ein Dorf, in dem Gastfreundschaft noch großgeschrieben wird. Vielen Dank an alle Mórágyer für die schnelle Aufnahme in die Dorfgemeinschaft und für jegliche Unterstützung. Ein besonderer Dank gilt Herrn Bürgermeister Heinrik Glöckner, der mir von Anfang an mit Rat und Tat zur Seite stand und mir den Zugang zu den historischen Archiven ermöglicht hat.

www.moragy.hu

Was andere über das Projekt sagen

Ich freue mich über jeden deutschstämmigen oder von Maratz abstammenden Menschen, der sich mit diesem besonderen Ort verbunden fühlt und die Geschichte seiner Vorfahren lebendig hält. Jede Unterstützung – sei es durch Interesse, Austausch, Spende oder Mitarbeit – trägt dazu bei, das kulturelle Erbe zu bewahren.

Mit großer Freude blicke ich auf die Zusammenarbeit rund um maratz.info und darauf, gemeinsam die deutschsprachigen Archive weiterzuentwickeln und zu digitalisieren, damit unsere gemeinsame Vergangenheit auch für zukünftige Generationen sichtbar bleibt.

Henrik Glöckner

Bürgermeister von Mórágy

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